KERSTIN HOLM. Russland zerstört seine Kultur
Russland, das unter Präsident Putin immer repressiver gegen Künstler vorgegangen ist, zerstört seit dem Beginn der Großinvasion in die Ukraine die eigene europäische Kulturschicht systematisch. Am schlimmsten betroffen ist die Sphäre des Wortes, nach der Schließung unabhängiger Medien und wichtiger unabhängiger Theater rollt nun eine Verbotswelle über die Buchbranche. Kriegsbegeisterte „Z Literatur“ wird staatlich gefördert, aber kaum gelesen. In den großen Kunstmuseen wurden Direktoren mit Fachkenntnis und Autorität durch profilschwache Manager ersetzt, Ausstellungen zeitgenössischer Künstler gibt es nur noch in privaten Institutionen wie der Moskauer GES-2. Freier geht es jenseits der Hauptstadt zu, etwa in Nischni Nowgorod, wo die Galerie Triumph die erste internationale Biennale ökologischer Kunst ausrichtete. Aber auch dort wurden Künstler wegzensiert, zumal wenn sie in sozialen Netzwerken Sympathie für die Ukraine geäußert hatten. Noch relativ frei ist die Musik, obwohl emigrierte kritische Komponisten nicht prominent aufgeführt werden können oder nur inoffiziell mit russischen Partnern kooperieren.
Kerstin Holm, 1958 geboren, Studium der Slavistik, Musikwissenschaft, Germanistik und Romanistik in Hamburg, München, Wien und Konstanz. 1987 Hospitanz und Eintritt ins Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Redaktion Geisteswissenschaften. 1991 –2013 Kulturkorrespondentin der FAZ für das Gebiet der ehemaligen Sowjetunion mit Sitz in Moskau. Bis 2024 Feuilletonredakteurin in der FAZ-Zentrale mit Schwerpunkt Russland, Belarus und Ukraine. Seither freie Autorin in Berlin.
Bücher: Das korrupte Imperium (2002), Rubens in Sibirien (über Beutekunst aus Deutschland in der russischen Provinz; 2008), Moskaus Macht und Musen (2012).
Eintritt frei
Foto: Kerstin Holm, privat.